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Ueber die Havel



 
Die Havel indes erreicht die Berliner Stadtgrenze am Niederneuendorfer See. Mit diesem See beginnt die 22 Kilometer lange Seenkette, welches das Bild des Flusses in Berlin prägt. An dem See sind die Orte Niederneuendorf und gegenüber Heiligensee gelegen.

Weiter südlich stößt der 4 Kilometer lange Tegeler See einschließlich seiner sieben Inseln und dem gleichnamigen Dorf an den Hauptfluss. Hier kann man das Tegeler Schloss mit Museum, dem dazugehörigen Park sowie auf der Halbinsel Reiherwerder die Borsigvilla bewundern.

Stromabwärts an Industrieanlagen und der Insel Eiswerder vorbei gelangt man zur Spandauer Schleuse mit der angrenzenden Zitadelle. Hier trennt sich der Fluss in Ober- und Unterhavel. Die Schleuse wurde aufgrund bautechnischer Beeinflussung der Zitadelle nie ausgebaut. An der Stelle der Befestigung stand schon im 13. Jahrhundert die Residenz der askanischen Markgrafen. Nachdem die Hohenzollern ihren Sitz in das neue Berliner Schloss verlegten, entwickelte sich Spandau über die Jahrhunderte hinweg zu einer Festungs- und Garnisionsstadt. Die Bevölkerung wuchs angesichts der immensen Rüstungsschmieden. In den beiden Weltkriegen war die Stadt Zentrum der deutschen Kriegsindustrie und dementsprechend Anziehungspunkt alliierter Bombenangriffe. Das äusserst selbstbewusste Spandau pflegte schon in Zeiten des Kalten Krieges Beziehungen zum angrenzenden DDR-Kreis Nauen.

Kurz nach der Spandauer Schleuse mündet die Spree in die Havel. Die Flussbreite und Wassermenge nehmen zu und es beginnt das Potsdamer Seengebiet mit einer durchschnittlichen Breite von 600 Metern. Ans Westufer der Seen grenzt die Nauener Platte des Osthavellandes und ans Ostufer der Grunewald. Auf der Halbinsel Schildhorn steht ein von Friedrich Wilhelm IV. errichtetes Denkmal, welches auf die in der Schildhornsage erwähnte Schlacht zwischen dem askanischen Albrecht dem Bären und dem Wendenkönig Jaczo von Köpenick hinweist. Die Schlacht im Jahre 1157 bedeutete das Ende der slawischen Herrschaft in der Mark Brandenburg.

Weiter auf der Havel gelangt man am Badestrand der Lieper Bucht und der Insel Lindwerder zu einer Badebucht, die sich wegen ihres freien Ausblickes nach Spandau "Großes Fenster" nennt. Und schließlich breitet sich der Große Wannsee aus, an dessen Beginn sich die Insel Schwanenwerder mit ihren vielen Gründerzeitvillen aus dem Wasser hebt. Das Strandbad Wannsee ist mit seinen 1300 Metern Länge das größte Binnenseebad Europas. Gegenüber dem Grunewald, am anderen Wannseeufer steht die Villa Lemm im englischen Landhausstil. Sie war in Zeiten der Trennung Residenz des britischen Stadtkommandanten und dient heute als Domizil für britische Staatsbesuche.

Die sich an den See schmiegenden Orte Gatow und Kladow entstanden im 13. Jahrhundert und gehören heute zu Spandau.
Inmitten der Havel spiegelt die seit 1924 unter Naturschutz stehende Pfaueninsel ihre Schönheit im Wasser. Der Garten am Schloss wurde von Lenné gestaltet und schließt auch eine der Insel den Namen gebende Menagerie ein, in welcher exotische Tiere zu bestaunen waren.
Oberhalb der Fähre zur Pfaueninsel verläuft eine Hügelkette auf der man ins historisch bedeutende Aussichtsrestaurant "Nikolskoe" im russischen Blockhaustil einkehren kann.

Gegenüber der Bucht Moorlake steht auf der Potsdamer Havelseite die 1845 erbaute Sacrower Heilandskirche. Unmittelbar hinter ihr verlief die Mauer und trennte so die Kirche vom Dorf. Auf der Berliner Jungfernseeseite dehnt sich ein Landschaftspark mit dem Schloss Klein Glienicke bis zur Glienicker Brücke aus. Die Brücke selbst stammt aus dem Jahre 1907, wurde 1945 von den Deutschen gesprengt und 1949 wiederaufgebaut. Nach dem Bau der Mauer war sie nur noch von alliierten Offizieren und Diplomaten nutzbar, sowie auch Schauplatz spektakulärer Agentenaustauschaktionen zwischen den gegnerischen Seiten. Die Brücke trägt die geschichtsträchtige einstige Haupt-Ost-West-Verbindung des Deutschen Reiches von Königsberg bis Aachen und heutige Bundesstraße 1 über die Havel. Insgesamt wird Berlin über sieben Havelbrücken mit dem angrenzenden Havelland verbunden. Die letzte von ihnen - die Glienicker Brücke - ist gleichzeitig der Austrittspunkt des Flusses aus dem Berliner Stadtgebiet.
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