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Ueber die Havel



 
Auf der Krummen Havel kommt man über Brederwall und Burgwall zu der 11000 Einwohner starken Stadt Zehdenick, die durch ihre Ziegelindustrie Ende des 19.- bis Mitte des 20. Jahrhunderts bestimmt war. Die alten Tongruben dienen heute als Badeseen mit Campingplätzen. Für die Menschen hier war die Schifffahrt schon immer Einnahmequelle. Der Fluss wurde mehrmals begradigt, mit einer Schleuse versehen - die jetzige ist aus dem Jahre 1906 - und auch ein Hafen ist vorhanden.

Am Stadtrand teilt sich der Fluss: die ursprüngliche Schnelle Havel ist längst verwachsen und der Natur überlassen, denn parallel zu ihr verläuft der 1884 fertiggestellte und für die Schifffahrt relevante Voßkanal. Auf ihm gelangt man an Krewelin vorbei zur 10 Jahre alten Schleuse in Bischofswerder. Ihre alte Schwester - Jahrgang 1889 - ist jetzt als betriebsbereites technisches Denkmal zu bewundern. In Liebenwalde fließt der Voßkanal in den Malzer Kanal, dieser wiederum in den großen Oder-Havel-Kanal.Die Stadt ist auch Endstation der "Heidekrautbahn". Die Schnelle Havel indes trägt ihr flaches und ruhiges Wasser ihrem Namen zum Hohn in vielen Bögen gemächlich Oranienburg entgegen. Kurz vor der Stadt zweigt von ihr der Oranienburger Kanal ab, der nicht wie die Schnelle Havel durch die Stadt geht, sondern westlich an ihr vorbei, um schließlich südlich die zum Oder-Havel-Kanal ausgebaute Havel zu erreichen. Der Name Oranienburg geht auf eine Schenkung des Amtes Bötzow Friedrich Wilhelms an seine Gemalin Louise Henriette (Prinzessin von Oranien) im Jahre 1650 zurück. Diese erteilte den Auftrag, ein Schloss zu bauen - die Oranienburg. Bald nannte sich der durch Ansiedelung von Gewerbe und Schaffung sozialer Einrichtungen auf Initiative der Kurfürstin schnell wachsende einstige Fischerort Bötzow nach dem königlichen Gemäuer - eben Oranienburg. Das Dorf wurde zur Stadt, doch das Schloss fiel dem Desinteresse späterer Könige und nach seinem Verkauf der industriellen Fremdnutzung zum Opfer. Schließlich wurde Mitte des 19. Jahrhunderts ein Schul-Lehrer-Seminar eingerichtet. Heute dient es als Teil der Stadtverwaltung und wurde 1998/99 im Zuge der Oranier-Ausstellung originalgetreu saniert.

Ein Vorort von Oranienburg ist belastet durch ein dunkles Kapitel deutscher jüngerer Geschichte - Sachsenhausen: ehemaliges KZ und späteres Speziallager 7 der sowjetischen Besatzungsmacht.
Nachdem der Oranienburger Kanal wieder auf die eigentliche Havel trifft, geht ihr Lauf südlich weiter unter den beiden Autobahnen A24 und A10 hindurch und stößt schließlich auf den von der Flussrichtung aus von links kommenden Veltener Kanal. Velten war früher eine Hochburg der Kachelofenherstellung.

Weiter südlich zieht sich am Westufer des Oder-Havel-Kanals das große Hennigsdorfer Industriegebiet entlang. 1910 von der AEG gegründet, entwickelte sich der Standort schnell zu einem riesigen Komplex mit Stahl-und Walzwerk, Schienenfahrzeugbau und Chemiebetrieb. Die große Masse an Arbeitern schlug sich in einem regen proletarischen Kampfgeist nieder und war vor wie nach dem Krieg Quelle für wirkungsvolle Demonstrationen. Der Ort Hennigsdorf, um die Jahrhundertwende noch ein kleines Dorf, hat seit 1962 Stadtrecht und zählt heute 25000 Einwohner.
Zwischen Hennigsdorf und Niederneuendorf zweigt der 35 Kilometer lange 1952 fertiggestelle Havelkanal nach Westen ab, macht bei Brieselang einen Südbogen, kreuzt vor Wustermark den Berliner Eisen- und Autobahnring und mündet in Paretz bei Potsdam wieder in die Havel. Die zur Umfahrung der Westzone angelegte Wasserstraße verbindet so Unter- und Oberhavel.
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