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Tief im Herzen
Brandenburgs durchquert in einem großen geschwungenen Südbogen ein
kleiner, ruhiger Binnenfluss die Mark - die Havel. Ihre
unspektakuläre Länge von 340 km mit einem Gesamtgefälle von
lediglich 39 Metern - was auf eine eher gemächliche
Fließgeschwindigkeit schließen lässt - gleicht sie durch
landschaftliche Reize und ihrer historischen Bedeutung wieder aus. An ihren
Ufern wurde und wird Geschichte gemacht, lebten Generationen von bedeutenden
Königshäusern, wie die Askanier in Spandau oder die Hohenzollern in
Potsdam. Die Zeit ist auch an der Havel nicht vorübergegangen:
Industrie und moderner Lebenstil prägen heute vielfach ihr Gesicht. Die
Spuren vergangener Tage sind jedoch zahlreich vorhanden und laden zu ihrer
problemlosen und lohnenswerten Suche ein. Großteile des Flusses stehen
unter Naturschutz. Wegen des chronischen Geld- und Entwicklungsmangels der
DDR-Wirtschaft sind weite Teile nahezu unberührt geblieben und bieten so
seltensten Tier- und Pflanzenarten ein zu Hause, dem Menschen hingegen ein
Naturerlebnis, welches in unseren Breiten seinesgleichen sucht. Die
Wiege der Havel ist noch nicht annähernd so alt wie sie selbst: als
vor ca. 600 Jahren zwischen den Dörfern Ankershagen und
Klockow ein Damm aufgeschüttet wurde, trennte man die junge Havel
von ihren Quellseen ab und verlegte ihre Geburtsstätte so auf eine
südlich des Dammes gelegene morastige Quellwiese auf dem Gebiet des
heutigen Müritz-Nationalparks in Mecklenburg-Vorpommern. Von hier aus geht
der kleine Bach durch den bewaldeten Diekenbruch, um schließlich in die
Kette Kleiner Dieksee, Middelsee und Großer Dieksee
zu münden. Zwei Kilometer von der Quelle entfernt liegt das Dorf
Ankershagen mit dem Heinrich-Schliemann-Haus, in welchem der
Trojaentdecker seine Jugendjahre verbrachte. Auf seiner noch jungen
Reise passiert die kleine Havel als erste Ortschaft Pieversdorf
und schließlich Wesenburg am Woblitzsee. Weiter geht es
durch die Neustrelitzer Kleinseenplatte an mehreren kleinen Orten vorbei. Der
Ellenbogensee und der Ziernsee bilden die Landesgrenze zu
Brandenburg. Von dort fließt die Steinhavel durch den
Röblinsee zur 750 Jahre alten Stadt Fürstenberg und
damit auf brandenburgisches Gebiet. Hier steht unter anderen auf einer
Landzunge ein aus dem 16. Jahrhundert stammendes Schloss, welches 300
Jahre später als Schulgebäude umfunktionert wurde. Am Ende des
Schwedtsee liegt völlig abgelegen und in bedrückender Ruhe die
Gedenkstätte des Frauenkonzentrationslagers Ravensbrück.
Hinter der Stadt macht der Fluss einen Bogen zum Stolpsee mit dem
Ort Himmelpfort, welcher seinen Namen der Gründung des
Zisterzienserklosters "Coeli Porta" im Jahre 1299 zu verdanken hat, einer
Stiftung des Markgrafen Albrecht III. Teile des Komplexes sind bis heute
erhalten geblieben. |weiter| |
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